Künstler träumen unbekannte Dimensionen. Denker ersinnen brilliante Ideen. Erfinder tüfteln an innovativen Neuerungen. - So entsteht eine neue Kultur.
Im Jahr 2001 hatte die Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH die Idee, eine höhere
Wohnqualität zu schaffen. Die zukünftigen Mieterinnen und Mieter wurden bereits während der
Planungsphase intensiv mit einbezogen. Im November trafen sich eine Architektengruppe
sowie eine "Planwerkstatt" zur Auftaktveranstaltung, um die
vorhandenen Ideen in Angriff zu nehmen. In Arbeitsgruppen wurde das Projektprofil erstellt.
Es sollte ein Wohnblock mit 44 Einheiten entstehen. Wohninteressenten sollten in die Planung mit
einbezogen werden. und eigene Träume zum Ausdruck bringen.
Die Gläser erhoben die Gründer des Vereins "Neues Wohnen Hattersheim e.V." im Jahr 2002 und gedachten sich Wohn- und Lebensraum für ihr ureigenes Wohl zu schaffen. Wie viele dieser Gründer sind heute noch dabei? Wie viele davon wohnen heute im Südring 16? Eher wenige!
Zwischen den Jahren 2002 und 2004 war die "heisse Phase" der Denker und Entwickler von egozentrischen und/oder gemeinschaftsbezogenen Wohnträumen. Die eigenen Bedürfnisse sollten eingebracht werden. An das Zusammenleben musste aber auch gedacht werden. Und gute Ideen gab es zu Hauf. Vieles reifte in dieser Zeit von der Planung zur Realisierung. Und mancher konnte stolz sein, dass "seine Idee" Anklang fand und verwirklicht wurde. Grundrisse wurden "individualisiert", Wände verschoben, Beläge ausgesucht, technische Neuerungen eingeplant, soziale Bereiche eingegliedert. Es war die kreative Zeit der Tüftler und Sozial-Enthusiasten. Daraus entstand die Paarung von ökologischer und ökonomischer Bauplanung. Eine photovoltaische Anlage gewinnt Strom. Eine Brauchwasseraufbereitung spült die sanitären Einrichtungen. Ein Gemeinschaftsraum, Büro, Freiflächen, Waschküche, gemeinsame Gästeappartements für Besuch und nicht zuletzt die vielen Freiräume in und um das Haus sind die sichtbaren Ergebnisse der Brillianz der Wohnpioniere dieser Zeit im Jahr 2003.
Am 1. September 2004 zogen die ersten Mieterinnen und Mieter in das dreigeschossige Wohnhaus ein. Einige kamen aus der Gruppe der Vorplaner mit der Idee einer selbstbestimmten Lebensgestaltung in einer frei gewählten Gemeinschaft. Andere kamen neu hinzu und fanden sich schnell hinein in diese Idee, nicht eine Wohnung in einer anonymen Nachbarschaft zu mieten und die Distanz zum Nachbarn immer schön aufrecht zu erhalten, sondern sich in diesem innovativen Verein NEWO organisiert zu sehen. Sie sahen sich als Teil einer Gruppe und fanden einen Bereich, in dem man etwas sinnvolles zu dieser Gemeinschaft beitragen kann. Jeder sollte Vereinsmitglied werden. Letztlich fiel es bei der Grösse der Gruppe und den vielen "fremden" Menschen nicht jedem leicht, seinen Platz zu finden, genügend Toleranz aufzubringen oder sich einzugliedern. Die normale Anfangsreibung begann die Gruppe einzuschleifen.
Die Wohngemeinschaft plant nachbarschaftliches Zusammenleben mit gegenseitiger Hilfe im Alltag und bei der alltäglichen Verwaltung des Hauses. Die Bewohnerinnen und Bewohner wollen auf vielfältige Weise den Austausch zwischen den Generationen fördern und das Miteinander unterschiedlicher (Er-)Lebensformen ermöglichen. Sie sind anderen Religionen, Weltanschauungen und ethnischen Besonderheiten gegenüber tolerant. Sie akzeptieren untereinander Nähe und Distanz. Der Gemeinschaftsraum und die von Mieterinnen und Mietern schön eingerichteten Gästeappartements stehen den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung. Ein erstes gemeinsames Grillen auf der Gemeinschaftsterrasse zeigt, dass die "Konsolidierungsphase" eintritt und man langsam zusammen findet.
Im Prospekt schreibt NEWO: "Diese Wohnform soll nicht nur den Austausch zwischen den Generationen oder die Selbst- und Nachbarschaftshilfe fördern, sondern in vielfältiger Weise das Miteinander unterschiedlicher Familien- und Arbeitsformen für die dort Wohnenden möglich machen.". Zur Verwirklichung wird an einem Bonus- und Punktesystem gearbeitet.